Die Kirche als Opposition

Die Kirche stellte für Oppositionelle in der DDR eine sehr wichtige Organisation dar. Sie war der Ort, wo konträre Akteure noch am ehesten Schutz und Unterstützung fanden und sich legal versammeln konnten, wurde dadurch jedoch auch selbst zu einem Teil der Bewegung gegen das Regime. Die Institutionen der Kirche waren die einzigen, die sich öffentlich gegen die Regierung behaupten konnten.

Der SED war es nicht möglich, die Rechte der Kirche in dem Maße einzuschränken, wie es in vielen anderen Lebensbereichen der Fall war. Das lag neben den verfassungsmäßigen Ansprüchen vor allem an ihrer lang verankerten Tradition in der Bevölkerung sowie beachtlichen Besitztümern an Grund und Immobilien. Ungeachtet dessen versuchte man, die Aktivität der Kirche so gering wie möglich zu halten. Ihre Hauptaufgabe sollte es sein, als wohltätige Organisation zu fungieren, als karitatives Hilfswerk. 

Dies spiegelte sich auch darin wider, dass ihr Einfluss auf die Jugend beeinflusst wurde. Eine Alternative zur Konfirmation wurde gefunden; die Jugendweihe war das neue Ritual der Jungen und Mädchen. Das Weltliche sollte für sie vorwiegend sein, und das war auch in den Runden der Pfarrerstunden zu verzeichnen; die Zahl Teilnehmer blieb gering.

Zwar war es den Kirchen erlaubt, einige Zeitungen zu publizieren, doch unterlagen diese ebenfalls einer doch recht ausgeprägten Zensur durch die Partei. Dennoch fanden einige oppositionelle Schriftsteller hierin ein Sprachrohr zur Gesellschaft.