Allgemeines über Jugendwerkhöfe

 

Die Jugendwerkhöfe entstanden im Rahmen des politischen Systems der DDR.

Sie waren Teil einer Disziplinareinrichtung aus der Gruppe der Spezialheime, die 1951/52 gegründet wurden. Das Ministerium für Volksbildung, Referat Jugendhilfe, Abteilung Spezialheime hatte über sie den Vorsitz und kümmerte sich um alle Belange.

 

Die Jugendwerkhöfe stellten jedoch nur einen kleinen Teil des ausgeklügelten Systems der Bewachung und der Disziplinierung dar. So gab es als weitere Formen die sogenannten Durchgangsheime. Ein Beispiel dafür stellt das Durchgangsheim in Magdeburg dar.

Hinzu kommen die Spezialkinderheime und die Sonderkombinate.

Die Jugendwerkhöfe unterteilen sich in die normalen Jugendwerkhöfe und die verschärfte Form die geschlossenen Jugendwerkhöfe. Der wohl bekannteste geschlossene Jugendwerkhof befindet sich in Torgau und ist heute eine Gedenkstätte.

In den Jugendwerkhöfen waren Jugendliche im Alter zwischen 14 und 18 Jahren, die sich gegen die Erziehungsmethoden der "Jugendhilfe" aber auch gegen die der Eltern und der sozialistischen Strukturen auflehnten.

Somit war das Hauptziel dieser Institutionen die Ausgliederung auffälliger Kinder und Jugendlicher aus der Gesellschaft und deren anschließende Umerziehung.

Nach außen hin wurden die verschiedenen Disziplinierungsinstitutionen als humane Einrichtungen bezeichnet, deren einziges Ziel darin bestand, Kinder und Jugendliche auf den richtigen Weg zu führen.

Doch die Bevölkerung wusste, dass dem nicht so war und schreckte vor der Vorstellung zurück, selbst in so eine Anstalt zu gelangen. Denn in Wirklichkeit glichen die Jugendwerkhöfe eher einem Gefängnis, als einer Erziehungseinrichtung. Sie waren von hohen Mauern umgeben, um jeglichen Kontakt mit der Außenwelt zu verhindern. Die Kinder und Jugendlichen wurden wie Schwerverbrecher behandelt, in der Gruppe bestraft und belohnt. Jede Form des Widerstandes wurde im Keim erstickt und strengstens bestraft. Jegliche Würde nahm man den Menschen, um sie besser kontrollieren zu können.

  


Einweisungsgründe ohne politische Hintergründe waren oft die Entweichungen aus Heimeinrichtungen. Kinder und Jugendliche steckte die "Jugendhilfe" ab den 14. Lebensjahr kurzerhand in die Werkhöfe. Somit wurde unter den Kindern und Jugendlichen Angst geschürt mit den Worten "wenn du nicht hörst, kommst du in einen Jugendwerkhof".


Eine Einweisung in einen Jugendwerkhof konnte auch ohne die Zustimmung der Eltern erfolgen. Hierfür reichte eine subjektive Sichtweise der Jugendhilfeorgane, die keine alternativen Lösungsstrategien fanden.

Letztendlich erfolgte die Einweisung in die Jugendwerkhöfe durch Beschluss der Jugendhilfeausschüsse der Räte der Kreise (Städte, Stadtbezirke) auf der Grundlage des Familiengesetzbuches § 50 und der Jugendhilfeverordnung § 23.



Die Aufenthaltsdauer in den Werkhöfen betrug meist 1,5 - 2 und in Ausnahmen bis zu 3 Jahren. In einigen Jugendwerkhöfen bestand die Möglichkeit einer Berufsausbildung als Teilfacharbeiter und einen Schulabschluss der 8., 9. und 10. Klasse.

Ideologie für die Errichtung der Jugendwerkhöfe war der sowjetische Pädagoge Anton Semjonowitsch Makarenko. Anbei ist Eberhard Mannschatz
 zu erwähnen, der von 1951 - 1977 die Jugendpolitik am meisten prägte und die Abteilung "Jugendhilfe" des Ministeriums für Volksbildung leitete. Diese Form der Erziehung wird auch als "Schwarze Pädagogik" bezeichnet.


Seine Ideologie: Das Ziel der Umerziehung besteht darin, die Besonderheiten in der Persönlichkeitsentwicklung zu überwinden, die Eigenheit im Denken und Verhalten der Kinder und Jugendlichen zu beseitigen und damit die Voraussetzungen für eine normale Persönlichkeitsentwicklung zu schaffen.