Wahlen und Gründe für das Nicht-Wählen

In der DDR existierte eine dominierende Partei, die SED (Sozialistische Einheitspartei). Sie enstand aus einer Zwangsvereinigung von KPD und SPD.

Der Wahlvorgang wird uns nach Zeitzeugeninterviews so berichtet:

Nach Vorzeigen des Personalausweises und der Wahlbenachrichtigung nahm der Wähler einen Stimmzettel entgegen und konnte direkt wählen oder die Wahlkabine benutzen und den Wahlzettel anschließend in die Wahlurne werfen.

Wer die Wahlkabine benutzte, machte damit deutlich, dass er abweichend vom Wahlvorschlag abstimmen möchte. Er machte sich verdächtig und wusste nicht, ob und welche Folgen sein Verhalten haben wird.

Es gab im Durchschnitt eine Wahlbeteiligung von 99%. Vielen Wählern war bewusst, dass sie die Folgen von Nichtwählen oder der Benutzung der Wahlkabine nicht abschätzen können. Mit dem Wählen, legte die Bevölkerung ein Bekenntnis zum Sozialismus ab, das heißt zur Politik der SED.

Jedoch gab es auch Personen die nicht an Wahlen teilgenommen haben.

Als Gründe für die Nichtteilnahme an der Wahl wurden uns durch Untersuchung von Stasi-Unterlagen folgende bekannt: 

  1. ungelöste Wohnungsprobleme
  2. nicht realisierte kommunale Probleme
  3. religiöse Gründe
  4. abgelehnte dFA-Reisen
  5. Mängel in der Versorgung der Bevölkerung
  6. persönliche Verärgerung