Der Einfluss und die Rolle der Kirche zur Wendezeit

 Die evangelische Kirche in der DDR war die einzige Organisation, die nicht unter der Kontrolle der SED stand, somit unabhängiger war und trotz der Schrumpfung bis zuletzt die größte Massenorganisation der DDR war (1945 über 90%; 1989 immer noch 36%) mit der bestbesuchten, regelmäßigen, flächendeckenden Veranstaltung dem Sonntagsgottesdienst. Die evangelische Kirche konnte nicht über ihre Besitztümer klagen, da sie die größten Land-und Waldbesitzer waren und jede Landeskirche verfügte über Verwaltungszentren mit Fachabteilungen für Theologie und Verkündungen, Finanzen, Ausbildung, Seelsorge, Landwirtschaft, Grundstücksverwaltung und vieles mehr. Außerdem verfügte die Kirche über eigene Schulen, Krankenhäuser, Schwesternstationen, Altenheime, Kindergärten, mit Mitarbeiterinnen, die in eigenen Ausbildungsstätten nach eigenen Lehrplänen ausgebildet wurden. Auch besaß die Kirche eigene Presseorgane, Druckereien und Verlage, sowie zahlreiche Kirchen, Gemeindehäuser, Pfarrhäuser, Schulungs-und Erholungszentren. Außergewöhnlich für damalige DDR-Verhältnisse war allein die Tatsache, dass jedes Pfarramt Telefonanschluss, einen Vervielfältigungsapparat und einen PKW-Trabant hatte (in der Regel von der Partnergemeinde aus der BRD beschafft). Im Schnitt musste man von der Bestellung bis zur Auslieferung eines Trabants mindestens 10 Jahre warten. Außerdem verdienten Pfarrer in der DDR so wenig, dass sie sich nie aus eigenen Mitteln ein Auto hätten kaufen können. Das Endgehalt als verheirateter Mann mit drei Kindern und die Frau nicht berufstätig blieb einem Pfarrer 680,00 DDR-Mark, im Vergleich zu Facharbeitern 1000,00 DDR-Mark, Lehrer 1200,00 DDR-Mark, Ärzte zwischen 1500,00 und 2500,00 DDR-Mark galten Pfarrer in der DDR als „arme Leute“.

Trotz all dem galt die evangelische Kirche in der DDR als „trojanisches Pferd“ im sozialistischen Lager. Daher versuchte man die Kirche zu beseitigen, was letztlich aber scheiterte, da diese Organisation Größe und Stärke bewiesen hat, weil sie sich nicht so leicht unterdrücken ließ.

 

Klaus Bock berichtet über die Rolle der Kirche zur Wendezeit in unserer Region folgendes:

Auch in Gommern hatte die Kirche einen höheren Stellenwert, zur Wende. Klaus Petersen berichtete folgendes dazu:


Die Kirche hatte in der Wendezeit einen großen Einfluss. Einerseits war die“ Macht der Partei an der Kirchentür gebrochen“ und andererseits half sie den Menschen sich verstanden zu fühlen, denn sie brachten zum Beispiel in Gebeten die Sehnsüchte der Leute ein und unterstützten damit gewissermaßen Demonstrationen.                                                                                                                       In Gommern war Pfarrer Nickel das Gründungsmitglied der SPD und SPD-Versammlungen fand im Pfarrhaus statt. Die Kirche gab den Menschen Rückhalt.