Aufruf an alle Mitglieder der SED

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Bis zum 7. Oktober 1989 hatte der erste Aufruf den Neuen Forums bereits zehntausend Unterschriften von DDR-Bürgern bekommen (am 15. Oktober waren es schon dreißigtausend Unterzeichner).

Im Rahmen des 40. Jahrestages der DDR startete das Neue Forum also einen weiteren Aufruf, diesmal direkt an die zwei Millionen Mitglieder der SED.

Unter Berufung auf die Zahl der Unterschriften sah das Neue Forum die Wichtigkeit und den dringenden Bedarf an einem wirksamen Dialog zwischen Staat und Gesellschaft als bewiesen an.

Das Neue Forum beklagte sich über den Versuch der Regierung, sie als Sozialismusfeinde darzustellen, da das Sammeln von Unterschriften und das Eintreten für „Neues Denken“ keine „staatsfeindliche Handlung“ sei.

Die Untätigkeit der SED wiederum sah das Neue Forum durchaus als gefährdend für den Sozialismus an. Gerade deswegen wandten sich die Aktivisten in diesem Aufruf diesmal an die SED-Mitglieder. Mit ihrem „enormen Potential an Fachwissen und Leitungserfahrung“ seien sie der wichtigste Faktor für die Erneuerung der Gesellschaft. Das Neue Forum betonte, dass wenn in einem Staat selbst der führenden Partei eine Diskussion untereinander verboten sei, es zwangsläufig zu Protesten kommen musste.

Am 12. Oktober berichtete das Neue Forum von ersten Anzeichen für die Bereitschaft des Politbüros der SED, den Dialog mit der Bevölkerung zu suchen. Als Grundlage für diesen Dialog forderte das Neue Forum die Zulassung aller demokratisch orientierten Basisgruppen, Bürgerinitiativen und Parteien, Pressefreiheit, Versammlungs- und Demonstrationsfreiheit sowie die Freilassung aller bei den Demonstrationen inhaftierten Bürger.