2. Sonderausgabe vom 3. November 1989

Kurz vor dem Mauerfall fand endlich das erste Gespräch zwischen Vertretern der SED und des Neuen Forums statt. Obwohl die Aktivisten in den vorangegangenen Monaten mehrfach als Staatsfeinde angeprangert worden waren, lehnten sie das Gesprächsangebot der SED nicht ab.

Eberlein, Erster Sekretär der Bezirksleitung der SED kündigte während des Treffens an, das Neue Forum werde bald offiziell zugelassen und man wolle gemeinsam an der Veränderung der Gesellschaft arbeiten.

Der plötzliche Sinneswandel zeigt, dass das Neue Forum in den wenigen Wochen seit seiner Gründung enorm an Einfluss gewonnen haben musste, auf jeden Fall genug, um die SED zu einem Kurswechsel ihnen gegenüber und einem Dialog zu zwingen.

Uneinigkeit herrschte bei diesem ersten Gespräch vor allem über die Demonstrationen und den Führungsanspruch der SED.

Das Neue Forum sah die Demonstrationen als wichtiges Mittel an, den Willen der Bürger zur Veränderung der Gesellschaft zu zeigen, die SED hingegen sah sie als hinderlich für eine effektive Diskussion an.

Das Neue Forum forderte eine Machtteilung und die Zulassung anderer Parteien, die SED hingegen behauptete, die „würde lediglich politische Arbeit betreiben“ und die „Machtkonzentration“ in der Partei „sei eine Legende“.

Erneut forderte das Neue Forum auch Transparenz in der Regierungsarbeit, die Zulassung anderer Parteien und dementsprechend ein erneuertes Wahlsystem.

3. Sonderausgabe vom 13. November 1989

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Die Mauer war gefallen. Obwohl genau das nicht das Ziel des Neuen Forums gewesen war, mussten die Aktivisten sich nun der Frage stellen, ob sie bereit wären, nun auch politische Verantwortung zu übernehmen.

Zu diesem Zweck veranstaltete das Neue Forum am 11. November eine Sitzung. Einig war man sich, Verantwortung übernehmen zu wollen und müssen. Dazu gehörte auch die Ausarbeitung eines politischen Programms.

Ein Teil der Mitglieder forderte dafür, die Ausrichtung als Bürgerinitiative beizubehalten, während andere die Umgestaltung des Neuen Forums zu einer Partei unterstützten. Zudem sandte die BRD-Bundestagsfraktion der Grünen Grüße und schlug Gespräche vor.