Stasiunterlagen zu den Tagen nach dem 17. Juni
Stasiunterlagen zu den Tagen nach dem 17. Juni

Die Tage nach dem 17. Juni 1953


Am 18. Juni 1953 wurde der Ausnahmezustand für den Kreis Burg, zu dem Gommern gehörte, kund gegeben. Der Chef der Besatzungstruppen in Burg schickte den folgenden Text an die Schulen, welchen die Lehrer diktierten und die Schüler ihren Eltern geben sollten:

„Ab 18. Juni 1953 verkünde ich den Ausnahmezustand in der Stadt und dem Kreisgebiet Burg. Ab 21.00 Uhr bis 5.00 Uhr verbiete ich das Betreten der Straße sowie jeglichen Fahrzeugverkehr allerart in der Stadt und in den Gemeinden des Kreises. An alle Arbeiter und Angestellte, die während dieser Zeit arbeiten müssen, werden besondere Ausweise ausgegeben. [...] Alle Bürger, die gegen diesen Befehl verstoßen, werden nach Kriegsgesetzen bestraft.“[1]

Dieses Verbot war nötig, da noch nicht alle befreiten Gefangenen wieder zurück in ihren Zellen waren. Trotz der Unterbindung des Aufstandes streikten die Arbeiter aus Gommern weiter. Sechs Tage lang waren 400 Volkspolizisten und Soldaten in und um Gommern formiert.[2] In dieser Zeit wurde tatkräftig nach den Flüchtlingen und ihren Befreiern gesucht. Sogar der damalige katholische Pfarrer wurde kurzzeitig in Haft genommen, weil er angeblich einen befreiten Gefangenen nach Hause gefahren haben soll.[3] Das erscheint jedoch nicht als unwahrscheinlich, da viele Geflohenen am 17. Juni 1953 Schutz in Pfarrhäusern suchten. So auch im Nachbarort Pretzien, wie wir einem Brief der Tochter des dortigen Pfarrers Berger entnehmen können. Sie beschrieb, dass ihr Vater zwei oder drei Befreite mit dem Nötigsten versorgte und ihnen bei der Flucht verhalf.[4]



[1] Brief der BDVP Magdeburg, Abt. Strafvollzug an die Hauptabteilung, Hauptabteilung Strafvollzug der Deutschen Volkspolizei Berlin vom 23.06.1953.

[2] Ballerstedt, Maren (2009), S. 371.

[3] Heicke, Fritz: Gommern, Juni 1953 vom 19.06.1953.

[4] Aus einem Zeitzeugenbericht von Margarete Lehnert.