Ein Zeitzeugenbericht von Margarete Lehnert über die Ereignisse des 17. Juni 1953 in Gommern (Faksimile)
Ein Zeitzeugenbericht von Margarete Lehnert über die Ereignisse des 17. Juni 1953 in Gommern (Faksimile)

Der Sturm auf die Haftanstalt

 

Um 15.45 Uhr traf der Zug mit den Arbeitern aus Magdeburg im Bahnhof Gommern ein. Es bildete sich ein Demonstrationszug aus 400 bis 800 Menschen.[1] Angekommen an der Anstalt wollte man „die Freilassung der Grenzgänger und ,politischen Häftlinge’“.[2] Da dies vom Anstaltsleiter abgelehnt wurde, brach man die Tore gewaltsam auf.  Die „Rädelsführer“, zu denen auch Mangelsdorf gehörte, forderten die Gefangenenakten an.  Um Zeit verstreichen zu lassen, stellte die Gefängnisleitung eine Liste für die Gefangenen aus, die ihre Strafe schon abgesessen hatten und auf den Transport in die BRD warteten, da man auf ein schnelles Eintreffen der Roten Armee hoffte. Diese hatte sich jedoch verfahren und kam später als erhofft an. In der Zeit wurden alle Gefangenen aus ihren Zellen befreit. Jedoch wollten viele nicht ohne Entlassungspapiere gehen. Als dann die sowjetischen Truppen die Wasserburg erreichten, waren erst 12-15 Entlassungspapiere ausgestellt. Die Rote Armee begann sofort mit dem Zurückbringen der Häftlinge in ihre Zellen und dem Reparieren der kaputten Schlösser. Mit dem Eintreffen der kasernierten Volkspolizei gegen 17.00 Uhr wurde der komplette Schutz der Haftanstalt hergestellt. Nach der letzten Zählung wusste man nun, dass 18 Häftlinge entkommen waren.[3]

 


[1] Ballerstedt, Maren (2009), S. 371.

[2] Brief der BDVP Magdeburg, Abt. Strafvollzug an die Hauptabteilung, Hauptabteilung Strafvollzug der Deutschen Volkspolizei Berlin vom 23.06.1953.

[3] Ebd. 

 

Podcast 17. Juni 1953
Hier finden Sie eine digitale Aufnahme eines Zeitzeugenberichtes zum 17. Juni 1953, die Ihnen persönliche Eindrücke einer damaligen Schülerin näher bringt.
Podcast+17.+Juni+(1) (1).mp3
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